Innovative Technologie: MPZ erprobt Telepräsenzrobotern für erkrankte Schülerinnen und Schüler im Unterricht
Telepräsenzroboter: Digitalisierung als Chance für erkrankte Schülerinnen und Schüler
An der Johanna-Moosdorf-Schule in Leipzig ermöglicht ein AV1-Telepräsenzroboter, dank der Unterstützung durch Paulis Momente e.V., einem Schüler mit Long Covid den Unterrichtszugang. Das MPZ berät Schulen zur Nutzung eines solchen Avatars.
Die Einführung sowie der Einsatz neuer Technologien im Schulalltag können enorme Chancen bieten, insbesondere auch für erkrankte Schülerinnen und Schüler.
Ein Beispiel dafür ist der Telepräsenzroboter AV1, der am 3. April 2025 durch Herrn Graser vom Verein „Paulis Momente hilft e.V. Leipzig“ gemeinsam mit mit dem prominenten RB-Spieler Benjamin Henrichs, der den Verein unterstützt, an die Johanna-Moosdorf-Schule übergeben wurde. Nachdem das MPZ Leipzig die Technologie vorab bereits erfolgreich mit einem baugleichen Roboter erproben konnte, wurde am 1. April 2025 eine Dauerleihgabe für fünf Jahre inklusive Nebenkosten vom Verein zur Verfügung gestellt.
In einem Pilotprojekt, das von Ende November 2024 bis Ende März 2025 stattfand, hatte das Medienpädagogische Zentrum (MPZ) Leipzig die Möglichkeit, an der Johanna-Moosdorf-Schule einen AV1-Avatar zu testen, der vom Landesamt für Schule und Bildung bereitgestellt wurde. Dank dieser Technologie kann ein Schüler der 7. Klasse wieder an ausgewählten Tagen aktiv am Unterricht teilnehmen, obwohl er durch seine gesundheitlichen Herausforderungen stark eingeschränkt ist. Der Avatar nimmt stellvertretend für den Schüler am Unterricht teil und überträgt, was er erlebt zu dem erkrankten Kind auf den Bildschirm. Das Gerät erlaubt dem Schüler diskret und einfach die Interaktion mit dem Unterrichtsgeschehen sowie seinen Mitschülern und ermöglicht so Anschluss und Teilhabe für das erkrankte Kind.
Die Technologie stellt einen bedeutenden Fortschritt für Kinder dar, die aufgrund von Krankheiten nicht regelmäßig am Unterricht teilnehmen können. Damit kann im Einzelfall geholfen werden.
Die Resonanz auf den Einsatz des Roboters war überwältigend positiv, weshalb der Schüler nun die Nutzung des Avatars bis zu seinem Abitur zugesichert bekommt.
Die Übertragung des Unterrichts auf sein Tablet zuhause läuft nahezu reibungslos und ermöglicht dem Schüler eine Teilnahme an 60-80% des Unterrichts. Für den betroffenen Schüler ist der AV1-Roboter nicht nur ein wichtiges Hilfsmittel, um am Lernen teilzuhaben, sondern auch ein entscheidender Faktor, um soziale Kontakte aufrechtzuerhalten und den Schulalltag zu erleben. Dies fördert nicht nur das Lernen, sondern trägt auch zur mentalen und emotionalen Genesung bei. Auch für die Lehrkräfte ist die Technik intuitiv bedienbar und hat kaum Einfluss auf den Unterrichtsablauf – auch das Portal zur Verwaltung des Roboters ist für die Lehrkräfte einfach zu bedienen.
Prominenter Support
Nicht nur Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte sind begeistert von der Technologie – auch ein Profifußballer von RB-Leipzig hat von dem neuen Projekt gehört und zeigte sich überrascht. Kurzfristig hatte sich Benjamin Henrichs, Spieler von RB Leipzig, zur Roboterübergabe hinzugesellt.
Als prominenter Unterstützer des Vereins „Paulis Momente hilft e.V. Leipzig“ zeigte er großes Interesse an der Technologie und an den damit verbundenen Initiativen. „Ich hatte zunächst keine Vorstellung, was es mit dem Avatar auf sich hat, aber jetzt, wo ich gesehen habe, was damit möglich ist, finde ich das echt eine unterstützenswerte Sache“, zeigte sich der Fußballspieler begeistert und sagte dem Verein die Unterstützung zur Anschaffung eines weiteren Roboters zu. In seinem YouTube-Kanal, wo er derzeit eine Dokumentation über seinen eigenen Genesungsweg aus einer Verletzung erstellt, plant er, auch das Avatar-Projekt vorzustellen. Dies hebt nicht nur seine persönliche Verbindung zu den Projekten hervor, sondern zeigt auch, wie Sportler über ihre sportlichen Leistungen hinaus gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und Kinder in schwierigen Situationen unterstützen können.
Vielfältiges Engagement für Telepräsenztechnologien
Das MPZ Leipzig dankt dem Verein „Paulis Momente hilft e.V. Leipzig“ herzlich für die Übernahme der Kosten für den neuen Avatar. Dank gilt auch der Schulleitung der Johanna-Moosdorf-Schule, dem Landesamt für Schule und Bildung (LASuB) sowie den Lehrkräften und den Eltern für ihre große Unterstützung und Offenheit, die den Einsatz des AV1-Roboters erst ermöglicht haben. Das Engagement vieler Partnerinnen und Partner ist entscheidend, um die schulische Teilhabe für alle Kinder zu fördern und innovative Ansätze im Unterricht zu integrieren. Auch die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich jüngst zu derlei Technologien positioniert und „Neue Empfehlungen zur schulischen Bildung, Beratung und Unterstützung erkrankter Schülerinnen und Schüler“ ausgesprochen.
Das MPZ Leipzig wird auch in Zukunft Schulen in Leipzig, die Interesse an der Nutzung dieser neuartigen Technologie haben sowohl didaktisch, als auch pädagogisch beraten.